Wer ist wer im Leben von Thomas Mann?


REZENSIONEN
Heinz J. Armbrust / Gert Heine:
Wer ist wer im Leben von Thomas Mann? Ein Personenlexikon.
Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt /Main, 2008.

346 Seiten. € 39.-

ISBN 978-3-465-03558-9

Dieser Band bietet Artikel zu über 400 Personen, mit denen Thomas Mann in einer "buchenswerten" Beziehung stand. Aufgenommen wurden alle Personen, bei denen auf der Basis der Tagebücher Thomas Manns, der vielen Briefwechsel, der einschlägigen Forschungsliteratur und sonstiger Quellen erkennbar eine solche Beziehung vorlag.
Die einzelnen Artikel gliedern sich in einen kurzen ersten Teil mit Angaben zu den Lebensdaten und den wichtigsten Lebensstationen und einen zweiten Teil, der die Beziehung Thomas Manns zu der jeweiligen Person darstellt. Neben literaturgeschichtlichen Aspekten kommt dabei die ganze Bandbreite des Zeithintergrunds zum Ausdruck – von familiären bis zu politischen Bezügen.

Die Autoren:
Prof. Heinz-Jürgen Armbrust
Leitenstr. 11
84030 Ergolding
Tel. +49-(0)871-73547
arm@fh-landshut.de

Beruflicher Werdegang:
Studium der Germanistik und Anglistik in München und Edinburgh.
Lektor an der Universität Bradford / England.
Professor für Wirtschaftsenglisch und Rhetorik an der Fachhochschule Landshut

Gert Heine, 2007 verstorben, war Mitarbeiter u.a. am Regestenwerk von Hans Bürgin und Hans-Otto Mayer, der Thomas-Mann-Werkbibliographie von Georg Potempa sowie mit Paul Schommer Autor der "Thomas Mann Chronik".

Beispiel eines Artikels:
HAUPTMANN, Gerhart
(1862–1946) Schriftsteller. 1880 Bildhauerklasse der Königlichen Kunstschule Breslau. 1882–83 Studium der Naturwissenschaften, Philosophie und Geschichte in Jena. 1884 Bildhauer in Rom; Heimkehr wegen Typhus; Kunstakademie Dresden. 1885 Heirat mit Marie Thienemann. Existenz als freier Schriftsteller in Berlin, Dresden, Italien, Hiddensee und Schreiberhau in Schlesien. Ab 1901 Hauptwohnsitz Haus Wiesenstein in Agnetendorf. 1904 Ehescheidung und Heirat mit Margarete H. (geb. Marschalk). 1912 Nobelpreis. 1928 Mitglied der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste. Beisetzung auf dem Klosterfriedhof von Hiddensee.
TMs Haltung zu H. war zwiespältig. Einerseits bewunderte und schätzte er ihn, der jahrelang der berühmteste Autor der deutschen Literatur war. Andererseits litt er unter der beherrschenden Rolle des Älteren, für die er sich selber berufen fühlte. 1903 waren sie sich zum ersten Mal im Haus ihres gemeinsamen Verlegers begegnet: Das Haupterlebnis und –Ergebnis der Reise war dann das Zusammentreffen mit Gerhart Hauptmann gelegentlich eines Diners bei Fischer [...]. Er ist ganz eigentlich mein Ideal. (5. 12. 03 an Heinrich Mann). In den nächsten rund drei Jahrzehnten kamen sie oft zusammen – gesellschaftlich-offiziell und privat – und verbrachten sogar gemeinsame Urlaube in Bozen und auf Hiddensee. Zu einer Verstimmung kam es, weil H. sich in der Figur des Peeperkorn im Zauberberg erkannt hatte. Er glaubte sich herabgewürdigt und klagte dem Verleger sein Leid (H. am 4. 1. 25 an Samuel Fischer). TM schrieb ihm, beschwichtigte und entschuldigte sich mit der künstlerischen Not, in der er gesteckt habe. Er hoffe Ihre Verzeihung ganz zu erringen, die ich – lassen Sie mich das glauben – halb schon immer besaß. (11. 4. 25 an H.). H. zeigte sich großzügig. Zu TMs 50. Geburtstag schrieb er für die ›Vossische Zeitung‹ einen ›Gruß an Thomas Mann‹ und lobte den Zauberberg. Und 1929 empfahl er TM für den Nobelpreis. Die unterschiedliche Haltung zum Dritten Reich führte jedoch zu einem von TM herbeigeführten Bruch. Er hat am ›Tage der Arbeit‹ auf seinem Hause das Hakenkreuz hissen lassen. Er mag sich goethisch vorkommen in seiner Loyalität gegen das Gemeine.[...] Ich hasse diese Attrappe, die ich verherrlichen half, u. die großartig ein Märtyrertum von sich weist, zu dem auch ich mich nicht geboren weiß,zu dem aber meine geistige Würde mich unweigerlich beruft. (T 9. 5. 33). In der Entstehung des Doktor Faustus (1949) widmete TM dem bereits Verstorbenen erinnernde Seiten, die erkennen lassen, wie sehr große Zuneigung zusammen mit intellektueller Distanz sein Verhältnis zu H. bestimmt hatte und daß wir bei aller Verschiedenheit unserer Naturen [...] etwas wie Freunde gewesen waren. (GW XI, 278; vgl. GW IX, 804ff.).
(Wysling/Bernini 1993/94; T II, 635)

Rezensionen und Erwähnung in Zeitungen/ Zeitschriften:
1.
"Auf jeden Fall sollte dieses Buch, das mehr als eine trockene Auskunftsdatenbank ist, in einer gutbestückten Thomas-Mann-Bibliothek nicht fehlen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Juni 2009, S. 32 (Feuilleton):
Kritik in Kürze: Beziehungsreich

2.
"Wie ersichtlich, ist dieses Personenlexikon von großem, praktischem Nutzen sowohl für Anfänger und Studierende als auch für Forscher und eingefleischte Liebhaber."
Hans Rudolf Vaget: Wer ist wer im Leben von Thomas Mann? Ein Personenlexikon.
http://www.tmfm.de/frames.htm (auf "Aktuell" klicken, dann unter "Lektüre" auf "Text" klicken)

3. "Einen besonders interessanten Band, der sich dem allgemeinen Fragebuch-Trend anschließt, hat der Verlag Vittorio Klostermann herausgebracht: «Wer ist wer im Leben von Thomas Mann» […] einer Art Kultur- und Literaturgeschichte […] durch die Artikel über zahlreiche andere Schriftsteller, mit denen der Nobelpreisträger, brieflich oder direkt, Kontakt hatte."
Nürnberger Zeitung, 3. Januar 2009, S. 7 (Feuilleton): Bücher befragen den Großschriftsteller.

4. "Deswegen ist dieses klug gegliederte, informative "Who is Who" für den Thomas-Mann-Fan hochwillkommen."
Krause, Tilman: Wer ist wer im Leben von Thomas Mann? Von Heinz J. Armbrust u. Gert Heine.
Literarische Welt, Die Welt, 23. August 2008, S. 6.
http://www.welt.de/welt_print/article2342425/Kurz-und-knapp.html

5.
"Wer immer an Thomas Mann, seiner Person, seinem Werk, seiner Zeit ein tiefer gründendes Interesse hat, bekommt mit dem Buch von Armbrust und Heine nicht nur ein zuverlässiges Nachschlagewerk, sondern noch etwas mehr, nämlich reichen Stoff zum neugierig lustvollen Schmökern."
Metzger, Hermann: Wer war wer? Ein Lexikon befasst sich mit Zeitgenossen Thomas Manns.
Landshuter Zeitung, Magazin am Wochenende, 23. August 2008.

6.
"Liebe Juristen, die ihr jetzt alle in Romanen herumsucht, um Schriftsteller zu verurteilen, die Abbilder wirklicher Menschen in ihre Romane hineinziehen - lest dieses Buch"
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.06.2008, Nr. 26, S. 30

7.
"Es stellt für jeden Wissenschaftler, der sich mit Thomas Mann befasst, für jeden Liebhaber, der Näheres über ihn wissen will, eine wichtige, höchst erwünschte Bereicherung der bisherigen Literatur [dar]."
Schädlich, Michael: Heinz-Jürgen Armbrust, Gert Heine: Wer ist wer im Leben von Thomas Mann? Ein Personenlexikon.
Marginalien, Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, (Harassowitz Verlag, Wiesbaden), 192. Heft, (4.2008), S. 83-84.

8.
"Dieses Personenlexikon ist ein schnell zugängliches und übersichtliches Nachschlagewerk zu über 400 Personen um den Autor Thomas Mann."
Germanistik. Internationales Referatenorgan. Band 49 (2008) Heft 3-4, S. 901, Nr. 6050

Weiterführende Links:
www.klostermann.de/lit/lit_3558.htm
www.buddenbrookhaus.de/index.php?seid=521
www.klostermann.de
www.tmfm.de/frames.htm
Wer ist wer im Leben von Thomas Mann


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